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Autorin/Autor: Harpman, Jacqueline
Einband: Gebundene Ausgabe
Verlag: Klett-Cotta
Seitenzahl: 224
Erscheinungsjahr: 2026
Auflage: 1
Vorgestellt von Claudia Engelmann
Die, die Männer nicht kannte, ist die Kleine, so genannt von den anderen 39 Frauen, mit denen sie eingesperrt zusammenlebt. Denn sie ist schon als Kind dazu gekommen, und kann sich an ein Leben zuvor nicht erinnern. Warum die Frauen eingesperrt sind, weiß keiner, und sie kennen ihre Wärter auch nicht. Da sie sich unter der Erde befinden, wissen sie auch nicht, wie die Welt oben aussieht. Mittlerweile haben sie jegliches Zeitgefühl und fast alle Erinnerungen verloren. Als eines Tages das Ungeheuerliche passiert, die Wärter verschwinden und die Türen sich öffnen, zögern die Frauen, ihr Gefängnis zu verlassen, doch die Kleine schreitet einfach voran. Als alle Frauen oben auf der Erde sind, erkennen sie nichts wieder, denn alles ist öd und leer. So machen sie sich auf die Wanderschaft, andere Überlebende zu finden und diese Welt zu entdecken.
Das alles erfahren wir rückblickend, denn das Buch beginnt mit den Tagebuchaufzeichnungen der Kleinen, die mittlerweile eine ältere Frau geworden ist und ihre Geschichte erzählt. Da sie nicht nur Männer nicht kannte, sondern auch die Liebe nicht, Freundschaft nicht, Alltag nicht, das normale Leben nicht, blickt sie auf die vor ihr liegende Welt mit fast kindlicher Naivität und Staunen. Diese Perspektive macht das Buch so besonders und hat mich sehr begeistert. Ein starkes und ungewöhnliches Buch, das man nicht so schnell vergisst und sich einreihen lässt in die feministischen Dystopien von Haushofer "Die Wand" und Atwood "Der Report der Magd". Dieser französischsprachige Roman der belgischen Autorin Jacqueline Harpman wurde erstmals 1995 veröffentlicht. Vom Klett-Cotta Verlag wiederentdeckt und neu übersetzt, welch ein Glück für die deutschen Leser!
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