Korbach – Bestsellerautor Frank Goldammer hat am vergangenen Montag in der Stadtbücherei aus seinem Bestsellerroman „Das Haus der Geister“ gelesen. Er erzählte die Hintergründe zu dem Buch und diverse persönliche Erfahrungen und Anekdoten, fröhlich, locker und unterhaltsam. Die Lesung fand als Auftaktveranstaltung zu verschiedenen Veranstaltungen anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Freundeskreises der Stadtbücherei „Lesebändchen“ statt und lockte viele Krimifans in die Bücherei.
Goldammer erläuterte zunächst die historischen Hintergründe des Romans, der in seiner Heimatstadt Dresden und Umgebung im Jahr 1881 spielt. Kriminalrat Gustav Heller und sein Assistent Schrumm werden in die alte Villa von Adele Blumfeld gerufen, um den plötzlichen Tod eines Teilnehmers der gerade stattgefundenen Séance aufzuklären. Im Gegensatz zu Schrumm glaubt Heller nicht an Geister oder die übersinnlichen Kräfte der exzentrischen Dame. Frau Blumfeld scheint aber in gewissen Kreisen einen guten Ruf zu besitzen, Verstorbene herbeizurufen und dabei Interessantes und Unbekanntes, auch teils Erschreckendes aus dem Jenseits zurückzuholen. Weitere Todesfälle geschehen, die es zu untersuchen gilt und die manche Fragen bei den Anwesenden aufwerfen, aber alle offenbar unterschiedliche Hintergründe haben.
Und auch die Erscheinung einer weißen Gestalt sorgt immer wieder für Diskussionsstoff. Schließlich nehmen die beiden Kommissare selbst an einer Séance teil, mit spannenden Erfahrungen. Goldammer erzählt lebendig und detailgenau. Durchdachte Beschreibungen der Umgebung, des Verhaltens der Protagonisten und ihrer Dialoge und Eigenarten mit Exkursen in ihr Privatleben machen das Werk zu einer spannenden Lektüre.
Immer wieder unterbrach er seine Lesungen, um historische Hintergründe zu erläutern oder persönliche Erfahrungen mitzuteilen. Er machte das sehr unterhaltsam und amüsant, schien sich gelegentlich in Details zu verlieren, aber schaffte immer wieder die Rückkehr zum Thema. Insgesamt erlebten die Besucherinnen und Besucher einen entspannten und abwechslungsreichen Leseabend zu einem nicht ganz alltäglichen Thema. HANS PETER OSTERHOLD
Korbach – Als sich am 6. März 2006 rund 40 Literaturbegeisterte in der Korbacher Stadtbücherei versammelten, ahnte wohl kaum jemand, was daraus werden würde. Zwanzig Jahre später ist der Förderverein Lesebändchen aus dem Kulturleben der Stadt nicht mehr wegzudenken – und feiert sein rundes Jubiläum mit einem Programm, das vom Fotowettbewerb bis zum großen Sommerfest reicht.
„Öffentliche Bibliotheken sind geistige Tankstellen der Nation“, zitierte damals Büchereileiterin Marie-Luise Lindenlaub den früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt, als sie für das Projekt warb. Lesen, so ihre Überzeugung, müsse „zum Tagesablauf gehören wie das Zähneputzen“.
Der Name war von Anfang an Programm: Das feine Stoffbändchen im Buchrücken stand als Symbol für Verbindungen – zwischen Leser und Buch, zwischen Bürgerinnen und Bürgern und ihrer Stadtbücherei, zwischen Vorlesenden und all jenen, die schwerer Zugang zu Literatur finden. Ob Kinder im Kindergarten, Patienten im Krankenhaus oder Seniorinnen und Senioren in der Tagespflege – der Verein bringt Geschichten dorthin, wo sie gebraucht werden.
Ins Jubiläumsjahr geht das „Lesebändchen“ mit der Vorsitzenden Hannelore Schalk, Kassenwart Gerhardt Wagner, Schriftführerin Reinhild Pirch sowie den Beisitzern Birgit Wille-Oppermann und Barbara Fischer-Jahn. Im Januar hatten die die Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung den Vorstand gewählt.
Zu den Klassikern des Vereins gehört heute das Format „Bücher zur Teezeit“: Jeden vierten Donnerstag im Monat treffen sich Leserinnen und Leser im Corvita am Obermarkt zum Austausch über Gelesenes. „Wer einen Büchereiausweis mitbringt, kann die vorgestellten Titel gleich ausleihen. Die Teilnahme ist kostenlos“, sagt Vorsitzende Hannelore Schalk. Informationen zu den vorgestellten Büchern sind auch auf der Homepage des Vereins zu finden, außerdem das vom Verein gekürte „Buch des Monats“.
Im vergangenen Jahr wagte das „Lesebändchen“ ein neues Format: „Lesen in der Mittagspause“. Schalk erklärt: „Jeder sollte einmal sein Handy in der Mittagspause weglegen und die Mittagspause nicht für Erledigungen nutzen, sondern einmal zur Ruhe kommen und sich vom Lesebändchen etwas vorlesen lassen.“ Dieses Format werde in ähnlicher Form auch in diesem Jahr angeboten.
Auch gesellschaftlich engagiert sich der Verein: 2025 arbeitete Lesebändchen mit dem Netzwerk für Toleranz zusammen – mit Regenbogengeschichten für Kinder sowie Lesungen von Autoren wie Marcello Liscia und Umes Arunagirinathan. Beide Veranstaltungen fanden großen Anklang. „Marcello Liscia hat sein Buch ‚Ein verregneter Sommer‘ vorgestellt und von seinem Leben und seinem Coming Out erzählt. Eine sehr schöne Veranstaltung“, sagt Hannelore Schalk. Arunagirinathan stellte sein Buch „GrundfarbeDeutsch – Warum ich dahin gehe, wo die Rassisten sind.“ vor.
Im Stadtbild präsent ist der Verein mit den bunten Bücherzellen am Berndorfer Tor, in denen jeder kostenlos Bücher entnehmen oder eigene einstellen kann („Bring ein Buch – Nimm ein Buch – Lies ein Buch“), wurden kürzlich vollständig überarbeitet und neu beschriftet; die Lackierarbeiten übernahm die Firma Knippschild und die Beschriftung die Firma Fingerhut – beide Unternehmen haben diese Arbeiten vollständig gesponsert.
Mitglied werden kann jeder: Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre beitragsfrei, Erwachsene für 15 Euro im Jahr, Familien für 20 Euro.
Jubiläumsprogramm
Den Auftakt des Jubiläumsjahres machte im Februar der bekannte Krimiautor Frank Goldammer, der in der Stadtbücherei seinen neuen historischen Roman „Das Haus der Geister“ vorstellte. „Die Lesung war gut besucht und kam beim Publikum bestens an“, so die Vorsitzende.
Bis Mitte Juli läuft noch der vereinseigene Fotowettbewerb: Wer liest wie, wo und mit wem? Jede und jeder kann ein Bild einreichen, das mit dem Thema Lesen zu tun hat. Die Prämierung findet beim Sommerfest statt – dem Höhepunkt des Jubiläumsjahres.
Am 22. August lädt der Verein von 11 bis 16 Uhr auf den Obermarkt vor der Stadtbücherei ein. Kaffee, Kuchen, ein Bücherflohmarkt und Märchenraten anhand von Scherenschnitten sorgen für ein familiäres Fest. Gegen 14 Uhr tritt der Liedermacher und Mitmachkünstler Thomas Koppe mit seinem Programm „Der Bücherwurm im Bücherturm“ auf. Bei schlechtem Wetter weicht die Veranstaltung in die Bücherei aus.