Ihre Arbeit ist besonderer BeitragProjekt „Bücher-Freunde“: Hessischer Leseförderpreis für Stadtbücherei
Freuen sich über den Preis aus den Händen von Hessens Kulturminister Timon Gremmels (3. von rechts): Dunja Haberer-Winkler (von links), Ute Jennemann, Dr. Tobias Metzler, Karin Keller, Monika Weber und Hannelore Schalk. © Foto: Dennis Schmidt Korbach – Die kreative Bildungsarbeit des Teams der Korbacher Stadtbücherei ist offiziell ausgezeichnet. Am gestrigen Montag überreichte der hessische Kulturminister Timon Gremmels Urkunde und 3000 Euro Preisgeld für den ersten Platz beim „Hessischen Leseförderpreis“. Das Land würdigt damit die engagierte und anpackende Art von Büchereiteam, der Stadt Korbach und dem Förderverein „Lesebändchen“. Im Sommer 2024 hatte das Team um Büchereileiter Dr. Tobias Metzler die Aktion „Bücher-Freunde“ durchgeführt. Die jungen Teilnehmer erhielten damals ein Freunde-Buch. Der Clou: Sie füllten die Seiten selbständig mit Details und Geschichten aus den Büchern aus, die sie während der Aktion gelesen hatten. An kreativen Ideen mangelt es den Mitarbeitern nicht. Sei es der Lesehund der Bücherei, dem leseschwache Kinder vorlesen können und dabei ihr Selbstbewusstsein und die Lesekompetenz stärken. Sei es mit mobilen Einsätzen in den 14 Ortsteilen, weil nicht alle Kinder regelmäßig in die Kreisstadt kommen können. Oder sei es mit der „Leseratte“, dem Vorgänger-Wettbewerb, den die Korbacher kreativ zu den „Bücher-Freunden“ weiterentwickelt und auf ihre eigenen Bedürfnisse zugeschnitten haben. Minister Gremmels machte in der Stadtbücherei klar, wie groß für ihn die Bedeutung von Projekten dieser Art ist. Diese gehe über die reine Leseförderung hinaus: „Die Demokratie steht unter Feuer. Sie muss erlernt werden. Ihre Arbeit ist ein ganz besonderer Beitrag dazu“, hob er hervor und spornte die Anwesenden an: „Bleiben Sie aktiv.“ Das fiel bei Büchereileiter Metzler auf fruchtbaren Boden: „Bibliotheken sind Demokratie-Labore. Wir müssen unsere Demokratie fit gegen die Anfeindungen der Populisten machen.“ In einer Präsentation hob er die unterschiedlichen Aspekte der Büchereiarbeit hervor. Leseroboter sollen dabei helfen, Kindern vorzulesen, deren Muttersprache nicht deutsch ist. Mit der Leseampel sind die Bücher nach Lesestufe sortiert, nicht nach Klasse. „Das ist nicht immer dasselbe“, hat Metzler beobachtet. Neuauflage wird schon vorbereitet Die Besucher der Bücherei kommen aus 25 Nationen und sprechen 35 Sprachen. „Dieses Haus steht allen offen“, bekennt sich das Team zu Offenheit und Toleranz. Zwei weitere wichtige Bausteine der Arbeit sind die politische Bildung und „lebenslanges Lesen“. Hier leiste vor allem der Förderverein „Lesebändchen“ in den Pflegeheimen eine wichtige Arbeit. Der Verein ist es auch, der das Preisgeld erhält. Er hatte im Sommer 2024 die Kosten für die „Bücher-Freunde“ getragen und das Projekt dadurch erst möglich gemacht. Ute Jennemann, Leiterin des Korbacher Kulturamts, freute sich über den Erfolg des Projekts. „Es gab auch Kinder, die mit mehr als zehn Büchern zurückgekommen sind“, berichtete sie. 67 Kinder aus den Klassen 3 bis 6 hatten im Sommer an dem Projekt teilgenommen. Für dieses Jahr ist eine Neuauflage geplant, bei der neue und erfahrene Teilnehmer willkommen sind. Den Hessischen Leseförderpreis vergeben das Land Hessen und das „Hessische Literaturforum im Mousonturm“. Korbach hat den Preis zum dritten Mal erhalten. Die Jury hatte vor allem überzeugt, dass die Herangehensweise an die Leseförderung innovativ ist und im Haus an der Professor-Kümmell-Straße intern entwickelt und gestaltet worden war. Quelle: WLZ vom 28. Jan. 2025 - DENNIS SCHMIDT |
Korbach – Die kreative Bildungsarbeit des Teams der Korbacher Stadtbücherei ist offiziell ausgezeichnet. Am gestrigen Montag überreichte der hessische Kulturminister Timon Gremmels Urkunde und 3000 Euro Preisgeld für den ersten Platz beim „Hessischen Leseförderpreis“. Das Land würdigt damit die engagierte und anpackende Art von Büchereiteam, der Stadt Korbach und dem Förderverein „Lesebändchen“.
Im Sommer 2024 hatte das Team um Büchereileiter Dr. Tobias Metzler die Aktion „Bücher-Freunde“ durchgeführt. Die jungen Teilnehmer erhielten damals ein Freunde-Buch. Der Clou: Sie füllten die Seiten selbständig mit Details und Geschichten aus den Büchern aus, die sie während der Aktion gelesen hatten.
An kreativen Ideen mangelt es den Mitarbeitern nicht. Sei es der Lesehund der Bücherei, dem leseschwache Kinder vorlesen können und dabei ihr Selbstbewusstsein und die Lesekompetenz stärken. Sei es mit mobilen Einsätzen in den 14 Ortsteilen, weil nicht alle Kinder regelmäßig in die Kreisstadt kommen können. Oder sei es mit der „Leseratte“, dem Vorgänger-Wettbewerb, den die Korbacher kreativ zu den „Bücher-Freunden“ weiterentwickelt und auf ihre eigenen Bedürfnisse zugeschnitten haben.
Neuauflage wird schon vorbereitet
Minister Gremmels machte in der Stadtbücherei klar, wie groß für ihn die Bedeutung von Projekten dieser Art ist. Diese gehe über die reine Leseförderung hinaus: „Die Demokratie steht unter Feuer. Sie muss erlernt werden. Ihre Arbeit ist ein ganz besonderer Beitrag dazu“, hob er hervor und spornte die Anwesenden an: „Bleiben Sie aktiv.“
Das fiel bei Büchereileiter Metzler auf fruchtbaren Boden: „Bibliotheken sind Demokratie-Labore. Wir müssen unsere Demokratie fit gegen die Anfeindungen der Populisten machen.“ In einer Präsentation hob er die unterschiedlichen Aspekte der Büchereiarbeit hervor. Leseroboter sollen dabei helfen, Kindern vorzulesen, deren Muttersprache nicht deutsch ist. Mit der Leseampel sind die Bücher nach Lesestufe sortiert, nicht nach Klasse. „Das ist nicht immer dasselbe“, hat Metzler beobachtet.
Die Besucher der Bücherei kommen aus 25 Nationen und sprechen 35 Sprachen. „Dieses Haus steht allen offen“, bekennt sich das Team zu Offenheit und Toleranz.
Zwei weitere wichtige Bausteine der Arbeit sind die politische Bildung und „lebenslanges Lesen“. Hier leiste vor allem der Förderverein „Lesebändchen“ in den Pflegeheimen eine wichtige Arbeit. Der Verein ist es auch, der das Preisgeld erhält. Er hatte im Sommer 2024 die Kosten für die „Bücher-Freunde“ getragen und das Projekt dadurch erst möglich gemacht.
Ute Jennemann, Leiterin des Korbacher Kulturamts, freute sich über den Erfolg des Projekts. „Es gab auch Kinder, die mit mehr als zehn Büchern zurückgekommen sind“, berichtete sie. 67 Kinder aus den Klassen 3 bis 6 hatten im Sommer an dem Projekt teilgenommen. Für dieses Jahr ist eine Neuauflage geplant, bei der neue und erfahrene Teilnehmer willkommen sind.
Den Hessischen Leseförderpreis vergeben das Land Hessen und das „Hessische Literaturforum im Mousonturm“. Korbach hat den Preis zum dritten Mal erhalten. Die Jury hatte vor allem überzeugt, dass die Herangehensweise an die Leseförderung innovativ ist und im Haus an der Professor-Kümmell-Straße intern entwickelt und gestaltet worden war.
Quelle: Eder-Diemel-Tipp vom 1. Febr. 2025 - DENNIS SCHMIDT
Eindrücke aus Saudi-Arabien
Nadine Pungs berichtet in Korbach von ihren Asien-Reisen

Korbach – Die Düsseldorfer Autorin Nadine Pungs hat in Korbach ihr neues Buch „Saudi-Arabien – Begegnungen in einem Land der Widersprüche“ vorgestellt. Zu dem Vortrag mit Lesung hatten die Stadtbücherei und die Thalia-Buchhandlung eingeladen.
Die 43-Jährige bereist seit vielen Jahren alleine den Nahen sowie den Mittleren Osten und war für die Recherche für das Buch 2020 und 2023 jeweils mehrere Monate in Saudi-Arabien unterwegs, um über den seit 2019 stattfindenden Wandel durch die Reformen des Königshauses berichten zu können.
Die rund 70 Zuhörer in der ausverkauften Korbacher Stadtbücherei erfuhren, dass Saudi-Arabien sechsmal so groß wie die Bundesrepublik ist, dass sich das verschlossene Land am Persischen Golf erst vor wenigen Jahren für Touristen öffnete. Zuvor war der Zugang ins Land nur Männern und Pilgern nach Medina und Mekka vorbehalten.
Erst mit der Machtübernahme des heutigen saudischen Königs Salman ibn Al-Aziz und seines Sohnes Kronprinz Mohamed ibn Salman wurden die staatstragenden Reformen „Vision 2023“ angestoßen, da der saudische König und sein Sohn, der Kronprinz, einen Wandel von oben nach unten wollten. So wurde den saudischen Frauen das Autofahren sowie der Zugang zu allen Bildungsabschlüssen und dem vollständigen Arbeitsmarkt erlaubt. Im Rahmen dieser Reformen gibt es jetzt beispielsweise öffentliche Konzerte und die Frauen dürfen auch zusammen mit Männern in den Cafés sitzen, eine Vollverschleierung ist nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben.
Nadine Pungs nahm die Zuhörerinnen und Zuhörer aber auch mit auf eine Reise zu den Begegnungen mit den unterschiedlichen Menschen in dem sich öffnenden Saudi-Arabien. So erzählte sie von einer jungen Frau, die Managerin eines Coffeeshops ist und die nicht heiraten möchte, da die Arbeit ihr „Ehemann“ sei.
Dann berichtete Pungs von einer anderen jungen Frau, die homosexuell ist, was in Saudi-Arabien strengstens verboten ist. Pungs erzählte auch, dass die Bahn in Saudi-Arabien pünktlich sei, hingegen habe sie auf dem Weg nach Korbach mit Verspätungen der hiesigen Bahn zu kämpfen gehabt.
Zudem sei Saudi-Arabien voll digitalisiert, man könne sämtliche Behördengänge digital erledigen, das 5-G-Netz funktioniere. Es herrsche in dem Land aber weiter striktes Alkoholverbot. Saudi-Arabien sei sehr sunnitisch geprägt, aber auch ein sehr vielfältiges Land.
Während in den Großstädten wie Dschidda oder der Hauptstadt Riad viele Wolkenkratzer und Moscheen stünden, seien in anderen Teilen des Landes viel Armut und halbfertige Lehmbauten zu finden. In der Stadt und Region Buraida hatte die Autorin das Privileg, als westliche Frau mit Männern an einem Freitag eine Fahrt in die Wüste zu unternehmen, Auto zu fahren und einfach Spaß zu haben. In der Stadt Nadschan hatte sie die Gelegenheit, am Fastenbrechen von saudischen Frauen teilzunehmen.
In der Hauptstadt Riad lernte Pungs eine Frau kennen, die ihren Nikap anzieht, weil sie sich damit sicherer fühlt. Die letzte Station von Pungs Reise war die rund vier Millionen Einwohnern zählende Stadt Dschidda im Westen der arabischen Halbinsel.
Die westlichen Medien würden die Reformen skeptisch sehen, auch mit Blick auf die 2034 in Saudi-Arabien stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft, so Prungs. Das Rechtssystem sei nicht mit den westlichen Werten konform, jedes Jahr würden rund 200 Menschen nach Verhängung der Todesstrafe hingerichtet.
Nadine Pungs hat sich in Saudi-Arabien laut eigener Aussage als allein reisende westliche Frau sehr wohl gefühlt. Sie sei als Frau von den saudischen Frauen und Männern respektiert worden und im Gegensatz zu deutschen Großstädten habe sie keine Angst vor Übergriffen von fremden Männern haben müssen.
Der knapp zweistündige Vortrag mit Lesung in der Korbacher Stadtbücherei war sehr informativ. Zuhörer erklärten: „Diese Lesung ist eine Reise in einen anderen Teil unserer Welt“ oder „Der Wandel ist auch in dem islamisch geprägten Staat spürbar.“ Die Autorin hatte bei dem Vortrag viele Fotos mit einem Beamer an die Wand projiziert und diese mit orientalischer Musik unterlegt.
UWE WALTER
Quelle: WLZ vom 9. April 2025
Gedichte gegen den Krieg: Lesung in der Korbacher Bücherei
Mittwoch, 07. Mai 2025, Waldeckische Landeszeitung
Durch Poesie Vertrauen fassen

Gedichte gegen den Krieg: Der Abend in der Korbacher Stadtbücherei gab den Zuhörerinnen und Zuhörern die Möglichkeit, neu über Krieg und Frieden nachzudenken.
Korbach – Am morgigen 8. Mai sind genau 80 Jahre vergangen, dass die deutsche Wehrmacht nach 2077 Kriegstagen bedingungslos kapitulierte. Der Krieg war offiziell zu Ende. „Doch was heißt das?“, fragte Dr. Tobias Metzler, Leiter der Korbacher Stadtbücherei, zu Beginn der Lesung zum Thema „Gedichte gegen den Krieg“ und fügte hinzu: „Was heißt es für die, die an den Grausamkeiten starben, für die Familien, die Angehörige verloren haben, für die Seelen derer, die gebrochen überlebten? Leid und Sterben gehen über das Datum hinaus.“
Gedichte gegen den Krieg seien am Ende natürlich Gedichte für den Frieden, die dem Grauen des Krieges, der Stille auf den Schlachtfeldern, den Massengräbern und Trümmerbergen die sprachliche Kraft der Lyrik entgegensetzen. Diese Kraft sei in der Beschreibung von Leid, Trauer und Verzweiflung schonungslos direkt. Gedichte könnten dazu beitragen, sich zu erinnern. Sie würden die Frage nach Schuld und Verantwortung stellen und seien vielleicht gerade deshalb oft politischer als ein Friedensgedicht.

Die Auswahl der Gedichte führte die Besucher in der Stadtbücherei jenseits der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg nach Japan, El Salvador, Schweden, England, Israel oder die Ukraine sowie in die nahe Vergangenheit und Gegenwart. Von der ersten Strophe des Abends aus Bertolt Brechts „Bitten der Kinder“ bis zum letzten Satz des Yiddischen Gedichts von David Hofstein „in denen Weiten verschwimmt deine Schande, Ukraine“ war das Publikum ganz nah bei den Texten, hörte aufmerksam und konzentriert zu. Ganz so, als wolle man kein Wort verpassen.
Gelesen wurden die Gedichte im Wechsel von engagierten Lesern und Mitgliedern des Fördervereins. Neben Dr. Tobias Metzler lasen Noah Tatchakom-Konsak, Birgit Wille-Oppermann, Dr. Sasikam Konsak, Armin Schönlau und Antonia Dülmer, wann immer möglich, in den Originalsprachen Englisch, Spanisch oder Yiddisch. In einem ausführlichen Begleitheft konnten die Zuhörer den Text mit einer deutschen Übersetzung verfolgen. „Die Auswahl war für mich wirklich eine Herausforderung“, so Metzler.
„Theodor Adorno meinte zwar, es sei barbarisch, nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, doch dieser Meinung sind zum Glück nur sehr wenige Dichter gefolgt. Bertolt Brecht steht zu Beginn sicher für sich. Von Thomas Eliot, Paul Celan oder Nelly Sachs habe ich mich bemüht, weniger bekannte Werke zu finden.“ Jehuda Amichai, Sadako Kurihara, David Hofstein und Claudia Lars seien den Lesern wahrscheinlich hier weniger vertraut. Eines werde in jedem Fall deutlich: Krieg sei zu jeder Zeit ein universelles Erfahren. Die Gedichte spiegelten den Dialog mit der Trostlosigkeit, das Gespräch mit den Sprachlosen.
Guitarissimo Christoph Winzer begleitete den Abend musikalisch. Mit seinem sensiblen, einfühlsamen Gitarrenspiel, seinem konzertanten, von ihm arrangierten Interpretationen von Pete Seegers „Sag mir, wo die Blumen sind“ sowie mit „Hiroshima“ von Wishful Thinking und „Russians“ von Sting ließ er die poetischen Gedanken nachklingen. In diesem Augenblicken waren es die Noten und ihr Klang, die Hoffnung machten auf Umkehr und inneren Frieden.
Leise hatte der Abend begonnen, leise ging er zu Ende. Es schien, als wolle niemand die Erinnerungen, die Gedanken gegen das Vergessen und die Hoffnung auf Frieden stören. Es war kein leichter Abend in der Stadtbibliothek, aber ein Abend, der zu Herzen ging und der es möglich machte, über Krieg und Frieden neu nachzudenken und vielleicht durch Verse, Poesie und Musik sogar wieder Vertrauen zu fassen an eine versöhnliche Welt.
BARBARA LIESE
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Mittwoch, 11. Juni 2025, Waldeckische Landeszeitung / Guten Morgen Waldeck! „Das ist mustergültig“Mit 15.000 Euro dotierten Bibliothekspreis an Korbacher Bücherei überreicht
Den Hessischen Bibliothekspreis überreichten (von links) Jörg Klinge, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, und Jürgen Trumpp, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Waldeck-Frankenberg, an Büchereileiter Dr. Tobias Metzler. Korbach – Die Stadtbücherei in Korbach ist für ihr Engagement zum Thema Demokratie und zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit mit dem Hessischen Bibliothekspreis ausgezeichnet worden (wir berichteten). Den Preis überreichte Jörg Klinge, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, gestern Mittag in einer kleinen Feierstunde an den Büchereileiter Dr. Tobias Metzler und sein Team. „In einer Zeit, in der die gesellschaftlichen Erfordernisse sich ständig wandeln, hat die Stadtbücherei Korbach mit ihrem Engagement und ihrer Kreativität bewiesen, wie wichtig es ist, demokratische Werte zu fördern und zu leben“, erklärte Jörg Klinge bei der Übergabe. Dialog, Bildung und die Förderung der Demokratie stünden in der Korbacher Stadtbücherei ganz oben auf der Agenda. Durch Workshops, Diskussionsveranstaltungen, Lesungen und Mitmach-Aktionen für alle Altersklassen bringe die Bücherei Menschen aus verschiedensten Kulturkreisen zusammen, fördere den Austausch und gebe ihnen Werkzeuge an die Hand, sich aktiv in demokratische Prozesse einzubringen, lobte Klinge: „Das ist mustergültig“. Das Preisgeld in Höhe von 15.000 Euro sei „Lob für die Leistung und Ansporn zugleich, das Haus in der Richtung auch in Zukunft weiterzuführen“, erklärt Klinge und betonte weiter: „Wir gratulieren Ihnen dazu, was Sie vor Ort geschaffen haben. Machen Sie weiter so“. „Wir sind sehr stolz darauf, dass die Korbacher Bücherei mit dem Hessischen Bibliothekspreis ausgezeichnet wurde“, sagte Jürgen Trumpp, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Waldeck-Frankenberg. Die Bücherei sei ein Raum der Begegnung, des Entdeckens, der Kommunikation und des lebenslangen Lernens. Aktionen wie „Ich bin eine Leseratte“ oder die „Offene Lernwerkstatt“ würden dazu einen wertvollen Beitrag leisten. Auch Bürgermeister Stefan Kieweg erklärte: „Wir freuen uns sehr über den namhaft dotierten Preis“. Das Preisgeld in Höhe von 15.000 Euro darf ordentliche Haushaltsmittel nicht ersetzen, sondern soll für zusätzliche Aktionen der bibliothekarischen Arbeit verwendet werden. Welche das genau sein werden, habe das Bücherei-Team noch nicht abschließend entschieden, sagte Dr. Tobias Metzler. Seinen Dank richtete er an sein Team, die Stadt Korbach und die Nutzer der Bücherei. „Die Menschen, die hier herkommen, machen das Herz des Hauses aus“. Meist werde von der Verteidigung der Demokratie gesprochen, „dabei sollte viel öfter das Positive der Demokratie hervorgehoben werden – und das versuchen wir hier“, sagte Metzler und dankte der Sparkassenstiftung für die Auszeichnung. Zur Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen gehören die Sparkassen in Hessen und Thüringen sowie die Landesbank Hessen-Thüringen (Heleba) und die Sparkassen-Versicherung. Die Stiftung ist nach eigenen Angaben der größte nichtstaatliche Kulturförderer in Deutschland. MARIANNE DÄMMER © WLZ vom 11. Juni 2025 |
„Bücherei, die sich sehen lassen kann“
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Dienstag, 24. Juni 2025, Waldeckische Landeszeitung / korbacher zeitung
Kolpingfamilie besucht Korbacher Stadtbücherei – Analoge und digitale Angebote Korbach – Über die Stadtbücherei und ihr Medienangebot informierten sich Mitglieder der Kolpingsfamilie und Gäste. Büchereileiter Dr. Tobias Metzler erläuterte den Gästen die modernen digitalen Medien. Neu gibt es zum Ausleihen in der Bücherei die Toniebox, eine Art Hörwürfel für Kinder. Mittels 120 kleiner Figuren, die darauf gesetzt werden können, erklingen die gewünschten Geschichten. Auch Eisbär Sami als transportabler Leseroboter und spezielle Stifte gehören zum Angebot. Für die Erwachsenen gibt es das „PocketBook“. 350.000 Buchtitel sind über den „Onleihe“-Verbund verfügbar. Analoge und digitale Leseangebote sind für den Büchereileiter keine Gegensätze. Zwar habe die alte Bibliothek in gewisser Weise ausgedient, doch für Schüler und Erwachsene stelle sie sich heute mehr als Lernort dar. Niemand solle Scheu haben, die Bücherei zu besuchen, denn es gebe viel zu entdecken – analog oder auch digital. Die Besucherinnen und Besucher erkundeten nach dem Referat noch die thematisch neu aufgeteilte Bücherei. Karl-Franz Niemann als Vorsitzender der Korbacher Kolpingsfamilie fasste seine Eindrücke lobend zusammen: „Wirklich eine Bücherei, die sich sehen lassen kann.“RED |
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Samstag, 28. Juni 2025, Waldeckische Landeszeitung / Lokales „Buch-Freunde“ finden und gewinnenStadtbücherei startet Leseprojekt Korbach – Das mit dem Hessischen Leseförderpreis 2024 prämierte Sommerleseprojekt der Stadtbücherei Korbach startet in die nächste Runde. Kinder der Klassen 3 bis 6 sind eingeladen, in den Regalen der Stadtbücherei neue „Buch-Freunde“ zu finden. So läuft das Projekt ab: In die Stadtbücherei kommen, sich anmelden, Bücher finden, ausleihen und lesen. Bei der Anmeldung erhält jedes Kind ein Buch-Freunde-Buch, in dem die Informationen über die neuen „Freunde“ gesammelt werden. Als zusätzliche Motivation winken den jungen Lesern nach drei und nach fünf gelesenen Büchern kleine Überraschungen, die in der Bücherei nach Vorlage des Freunde-Buchs abgeholt werden können. Angefangene Hefte aus dem vergangenen Jahr können fortgeführt werden. Wer es schafft, bis zum Herbst zehn Bücher zu lesen und in sein Freunde-Buch aufzunehmen, kann an der großen Abschlussverlosung teilnehmen. Hierfür müssen die fertigen Freunde-Bücher bis spätestens Donnerstag, 2. Oktober, in der Stadtbücherei abgegeben werden. Die Preisverleihung findet am Montag, 20. Oktober, um 17.30 Uhr in der Stadtbücherei statt. Für die Anmeldung zum Sommerleseprojekt „Buch-Freunde“ benötigen die Kinder einen eigenen Leseausweis. Dieser ist kostenlos in der Stadtbücherei erhältlich. Das Projekt wird durch den Förderverein Lesebändchen e. V. unterstützt. RED |
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Freitag, 27. Juni 2025, Waldeckische Landeszeitung / Lokales Gedanken von George Orwell heute wieder hochaktuellLeben und Werk des britischen Autors in der Korbacher Stadtbücherei vorgestellt
Dr. Tobias Metzler und Dr. Sasikarn Kongsak stellten Werke von Eric Arthur Blair (alias George Orwell) vor. © Foto: Osterhold Korbach – Der britische Autor George Orwell ist den meisten bekannt als Autor der Bücher „Animal Farm“ und „1984“, doch hinter seiner Person steckt noch viel mehr: Viele weniger bekannte Werke und ein bewegtes Leben, das am vergangenen Montag in der Stadtbücherei vorgestellt wurde. Büchereileiter Dr. Tobias Metzler hatte die Stationen aus dem Leben Eric Arthur Blairs, wie Orwell mit bürgerlichem Namen hieß, aufgearbeitet und zusammengestellt, und Dr. Sasikarn Kongsak las aus Orwells Texten im Original. Und es war eigentlich mehr als ein Leben. Die Botschaft: Orwells Gedanken – zumindest aus vielen seiner Werke – sind bis heute und gerade heute wieder hochaktuell, so sehen es viele und auch Tobias Metzler. Er habe zu seiner Zeit häufig Wahrheiten ausgesprochen, die, wie er meinte, die Menschen hören müssten, obwohl sie es vielleicht nicht wirklich wollten. Und er wurde in verschiedenen Epochen der Geschichte aus unterschiedlichen politischen Lagern immer wieder gerne instrumentalisiert. Und auch schon mal verboten waren seine Werke in unterschiedlichen Ländern. So kam in der Orwell-Hommage auch manches zutage, was bisher nur Insidern der englischen Literaturgeschichte zugänglich war. Trotzdem muss Orwell (geb. 1903) zunächst verstanden werden aus seiner Zeit heraus. Er war unter anderem Kolonialbeamter in Burma, kämpfte im Spanischen Bürgerkrieg, arbeitete als Journalist für die BBC. Über 20 Romane, Reportagen und Essaysammlungen sind in seinem Leben entstanden. Deshalb kann er nicht reduziert werden auf seine populären Werke, die als Utopien irgendwann in den Klassenzimmern landeten und zur Schullektüre wurden. Den Kolonialismus und den Niedergang des „British Empire“ hat er kritisch begleitet und die Jahre der Depression in Großbritannien. Gesellschaftliche Ungleichheiten, den aufkommenden Nationalsozialismus und Totalitarismus hat er angemahnt und sich damit nicht nur Freunde gemacht. Ein kritisches Auge hatte er auf die bürgerliche Mittelschicht, den Faschismus und vor allem das Mitläufertum allerseits. Sein Einsatz galt prinzipiell der Wahrhaftigkeit und der Freiheit, der Selbstbestimmung und Authentizität. Viele, ja die meisten seiner Werke, sind in Vergessenheit geraten, einige sind nicht einmal in anderen Sprachen erschienen. Umso spannender war der Orwell-Abend für Besucherinnen und Besucher in der Stadtbücherei, die einem ganz anderen Orwell begegneten als sie bisher kannten. |
Mittagspause mit Lesung

Zum Nachlesen
Förderverein Lesebändchen lädt noch dreimal ein
Korbach - „Im Garten riecht’s nach Minze und Kamille. Man sieht die Hitze. Und man hört die Stille“ Marie-Luise Lindenlaub liest den „August“ aus Erich Kästners „Die 13 Monate“ vor. Die pralle Mittagssonne heizt den Herrschaftlichen Hagen zwischen den Stadtmauern auf. Zu heiß an der neuen Sitzgruppe für die Lesung des Fördervereins Lesebändchen. Kurzerhand haben die Organisatoren die Lesung in den kühlenden Schatten direkt unter dem Wollweberturm verlegt. Dort, wo der Wind leise durch die Bäume rauscht.
Die rund einstündige Lesung unter freiem Himmel in der parkähnlichen Atmosphäre des Hertschaftlichen Hagens soll eine willkommene Abwechslung zum hektischen Alltag bieten. Das Programm richtet sich an Jung und Alt gleichermaßen. Kurzgeschichten, Märchen und Gedichte stehen auf dem Programm, undeine Anmeldung ist nicht erforderlich. „Wir möchten Menschen einladen, ihre Mittagspause einmal anders zu verbringen und dabei unseren Verein kennenzulernen“, erklärt Hannelore Schalk, Vorsitzende des Lesebändchens.
Der Förderverein feiert im kommenden Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Er unterstützt die Arbeit der Stadtbücherei, veranstaltet Lesungen und Vorträge, lädt einmal im Monat zu „Bücher zur Teezeit“ ein und betreut die Büchertelefonzellen am Berndorfer Tor. Die Mitglieder besuchen außerdem regelmäßig Senioreneinrichtungen für Lesungen und Gespräche.
Bei der Premiere unterm Wollweberturm bleiben die „Lesebändchen“ aber größtenteils unter sich: Nur einige wenige Passanten eilen am Mittag weiter Richtung Totenhagen oder in die Stadt. Barbara Lagréze-Noll, die gerade ihren Vater in Korbach besucht, macht mit ihren beiden Hunden kurz halt an der Bank im Schatten und hört zu. „Eine tolleIdee“, befindet sie.
Die Texte sind vielfältig: Dr. Ilse Ludolph beispielsweise liest aus Haruki Murakamis „Der Elefant verschwindet“ und Birgit Wille-Oppermann hat das Kinderbuch „Selma - oder was ist Glück“ mitgebracht. In dieser Geschichte beantwortet das Schaf Selma die Frage, was es täte, wenn es mehr Zeit hätte oder im Lotto gewinnen würde. Wenn es in Korbach wäre, wahrscheinlich mittags den Lesungen des Lesebändchens lauschen... Interessierte können noch bis zum 3. August täglich zur Mittagszeit von 12.30 bis 3.30 Uhr vorbeischauen und dem Förderverein Lesebändchen bei seiner literarischen Vorstellungsrunde zuhören. LUTZ BENSELER
Samstag, 20. September 2025, Waldeckische Landeszeitung
Denkmal für Umweltschützer

Spannende Geschichten: Markus Brauckmann hat in der Korbacher Stadtbücherei über die Gründung der Umweltbewegung in Deutschland berichtet. © Foto: Hans Peter Osterhold
Korbach – Der Autor Markus Brauckmann erzählte und las in der Korbacher Stadtbücherei aus seinem Buch „Die erste Generation – wie der Kampf um die Umwelt begann“. Er präsentierte damit die Geschichte und noch mehr Geschichten rund um die Entstehung der Umweltbewegung in Deutschland seit den 1970ern, die das Land nachhaltig verändert haben.
Es waren ganz normale Bürgerinnen und Bürger, die „aus der Mitte kamen“ und begannen, sich für die Natur einzusetzen: Gegen Kernkraftwerke und Wiederaufbereitungsanlagen, gegen die Verschmutzung des Rheins und den Ausbau des Frankfurter Flughafens. Sie organisierten sich meist in ländlichen Regionen, und Markus Brauckmann hat sie alle getroffen und mit ihnen geredet und ihre Geschichten und Hintergründe aufgeschrieben. „Ihnen wollte ich ein Denkmal setzen“, so der Autor.
Etliche Schauplätze dieser Kämpfe klingen heute noch vertraut: Wyhl, Kalkar, die Startbahn West, Brokdorf oder Wackersdorf. Brauckmann erzählt nicht nur von den ersten kreativen Protestaktionen mit einfachsten technischen Mitteln, sondern auch vom Miteinander der Aktivisten, ihrer Liebe zur Sache und der Ernsthaftigkeit ihrer Verantwortung. Und es ist ein Buch, das zeigt, was Menschen mit Mut und Leidenschaft bewegen können und wie es möglich sein kann, die Politik zum Handeln zu zwingen. Die Aktivisten haben Zeit und Energie geopfert und dafür häufig soziale Ablehnung erfahren oder den Vorwurf „den Fortschritt aufhalten zu wollen“.
„Whyl war der Urknall“, sagt Brauckmann, es sei das erste Mal gewesen, dass sich die Aktivisten und die Vertreter des Staates auf Augenhöhe begegneten, in einer Idylle am Rhein, die sich dann zur Protestbewegung entwickelte und den derzeitigen Ministerpräsidenten Filbinger in Bedrängnis brachte.
Der Film „Smog“ mit Marie-Luise Marjan, der einen Smogalarm im Ruhrgebiet simulierte, sei ein weiterer Meilenstein der Ökologiebewegung gewesen, ein „Ökothriller“ zur besten Fernsehsendezeit, der viele aufweckte, weil sich bis dahin so gut wie niemand um die Umwelt kümmerte.
Dazu kommen viele Lebensgeschichten, wie die von Monika Griefahn, die Greenpeace Deutschland mitgründete oder der bodenständigen Handwerker, die vor Ort Protestaktionen initiierten. Die Grenzen von Friedens- und Protestbewegungen zu Umweltinitiativen schienen fließend zu sein, vor allem als die Grünen 1983 zum ersten Mal in den Deutschen Bundestag einzogen. In der DDR fanden die ersten Protestaktionen seinerzeit in Form von Baumpflanz-Aktionen statt.
Brauckmann verliert sich im Verlauf seines Vortrags etwas in vielen Details und Geschichten, aber zum Schluss wagt er den Vergleich der „Ersten Generation“ mit der „Letzten Generation“, die bis vor kurzem durch Straßenklebeaktionen auf sich und ihre Anliegen aufmerksam machte.
Die „Erste Generation“ komme rückblickend meist besser weg in der öffentlichen Wahrnehmung. Die „Letzte Generation“ habe enorm mehr technische Möglichkeiten, Smartphones und Internet zur Verfügung gehabt, aber ihre Protestaktionen hätten sich nicht wesentlich von denen unterschieden, die Hütten in Wälder gebaut und sich an Bäume festgekettet haben.
Die Lesung wurde von der Stadtbücherei und der Buchhandlung Thalia veranstaltet. HANS PETER OSTERHOLD
Mittwoch, 22. Oktober 2025, Waldeckische Landeszeitung / Korbacher Zeitung
Das Freundebuch mal anders
Stadtbücherei Korbach schließt Sommerleseprojekt mit Verlosung ab

Preise für Bücher-Freunde: Kinder, die über die Sommerferien zehn neue Buchfreunde aus dem Bestand der Bücherei Korbach gefunden hatten, nahmen an einer Verlosung teil. © Foto: Marvin Fischer
Korbach – Viele kennen die Idee des Freundebuchs aus der eigenen Schulzeit: Das kleine Buch ging von Hand zu Hand, und jeder Freund füllte eine eigene Seite aus – mit Lieblingsessen, Hobbys und netten Sprüchen. Genau davon hat sich die Stadtbücherei Korbach inspirieren lassen und ein besonderes Freundebuch für Bücher entwickelt. Nach dem Lesen eines Buches konnten die Kinder ihre Eindrücke festhalten, die spannendste Stelle oder die lustigste Figur beschreiben – und so ihre ganz persönlichen „Bücher-Freunde“ sammeln.
84 Kinder machten in diesem Sommer beim Projekt „Bücher-Freunde“ mit und entdeckten neue Lieblingsgeschichten aus den Regalen der Bücherei. Wer mindestens zehn Bücherfreunde gefunden hatte, wurde zur großen Abschlussveranstaltung in die Bibliothek eingeladen. 21 Kinder schafften das und durften sich dort über Preise für besonders fleißig geführte und kreativ gestaltete Freunde-Bücher freuen. Neben den Hauptpreisen gab es auch Sonderpreise für außergewöhnliche Einträge oder liebevoll verzierte Seiten – als besondere Anerkennung für den Einsatz der jungen Leserinnen und Leser.
Mit Liebe zum Detail gestaltet
Eine von ihnen, die ihr Freundebuch mit besonders viel Aufwand gestaltete, ist Miriam. Sie war schon zum zweiten Mal beim Sommerleseprojekt dabei – und kaum hatte sie das erste Buch aus dem Regal gezogen, war klar: Auch dieses Jahr wird wieder viel gelesen. „Ich mag vor allem Die drei ??? und Die drei !!! – aber ich probiere auch gern neue Bücher aus“, erzählt sie. Mit bunten Stiften füllte sie Seite um Seite, zeichnete Figuren und schrieb kleine Kommentare dazu. Am Ende brachte sie gleich zwei Freunde-Bücher mit in die Bücherei zurück – also 20 gelesene Bücherfreunde.
Auch Leonard gehörte zu den eifrigsten Teilnehmern: Er las ebenfalls 20 Bücher und verwandelte sein Freundebuch in ein kleines Kunstwerk – mit Zeichnungen, Zitaten und kleinen Collagen.
Die Lieblingsgeschichten der Kinder reichten in diesem Jahr von Klassikern wie Paul Maar und Astrid Lindgren bis zu modernen Reihen voller Magie, Spannung und Freundschaft. Auch aktuelle Bestseller wie „Rico, Oskar und das Mistverständnis“ oder „Die Schule der magischen Tiere“ waren in vielen Freunde-Büchern zu finden. So wurde jedes Heft zu einer kleinen Schatzkiste voller Lesemomente. Manche Kinder schrieben sogar dazu, wo sie gelesen haben: im Garten, auf dem Sofa oder heimlich abends im Bett unter der Decke.
Für Büchereileiter Tobias Metzler zeigt der Erfolg des Projekts, wie lebendig Lesefreude sein kann: „Wenn Kinder Geschichten mit eigenen Ideen verbinden, dann bleibt das Gelesene viel länger im Kopf. Genau das wollen wir erreichen.“ Deshalb kündigt Metzler schon an: „Auch im nächsten Jahr wird es die Bücher-Freunde wieder geben – und sicher wieder mit vielen begeisterten Kindern.“
Für die Teilnahme an dem Sommerleseprojekt brauchten die Kinder einen kostenlosen Leseausweis der Stadtbücherei. Finanziell unterstützt wurde die Aktion vom Förderverein „Lesebändchen“.
MARVIN FISCHER
„Rassismus ist eine böse Krankheit“
Umes Arunagirinathan berichtet von seiner Flucht nach Deutschland

Für Demokratie kämpfen: Der Herzchirurg und Autor Umes Arunagirinathan hat im Korbacher Bürgerhaus aus seinem Buch „Grundfarbe Deutsch“ gelesen. © Foto: Hans Peter Osterhold
Korbach – Es war eine Mischung aus Bericht, Lesung, Erzählung und Plädoyer, dabei persönlich, authentisch, herausfordernd und berührend, was der Herzchirurg und Autor Umes Arunagirinathan dem Publikum im vollbesetzten Korbacher Bürgerhaus vorstellte.
Grundlage war sein Buch „Grundfarbe Deutsch – Warum ich dahin gehe, wo die Rassisten sind“, seine persönliche Lebensgeschichte von der Kindheit in Sri Lanka, der Flucht nach Deutschland und seinen Erfahrungen und Erlebnissen in dem für ihn zunächst fremden Land. „Ich bin hier, um euch eine Geschichte zu erzählen“, waren seine Eingangsworte.
Und dann folgten Erinnerungen an eine glückliche Kindheit in Sri Lanka, die jäh durch den Bürgerkrieg zerstört wurde. Durch die Gründung eines eigenen Geschäfts wurde er früh selbständig und konnte seine Familie damit ernähren.
Als er zwölf Jahre alt war, entschied seine Mutter, dass er aus dem Land fort müsse, nach Deutschland, wo ein Onkel lebte. Über Kredite finanziert und über Schlepper organisiert – denn legal war eine Ausreise nicht möglich – ging es in einer 8-monatigen Odyssee über Vorderasien und Afrika schließlich nach Deutschland.
Viele Details brachte der Autor mit und viele Emotionen, vor allem bei dem Abschied von der Mutter, weil er nicht weg wollte. In Deutschland besuchte er das Gymnasium, machte das Abitur und wurde schließlich Arzt, überstand erfolgreich verschiedene Abschiebungsversuche. Und er liebt Deutschland und freut sich über die deutsche Staatsangehörigkeit, die er irgendwann erhielt. „Ich habe das Glück, in Deutschland sein zu dürfen“, erzählte er.
Ein zentrales Thema des Abends sind seine Begegnungen mit Menschen, solchen, die ihn nachhaltig prägten und förderten und auch solchen, die ihn wegen seiner dunklen Hautfarbe diskriminierten und nicht als Deutschen akzeptieren wollten. So schilderte er Begegnungen im normalen Alltag und auch mit „Rechten“, bei denen er stets auf Dialog setzt. „Rassismus ist eine böse Krankheit“, sagte er. Aber Früherkennung sei wie in der Medizin die beste Möglichkeit der erfolgreichen Behandlung.
So sucht er auch immer wieder die Begegnung mit solchen, die eher intolerant und mit Vorurteilen unterwegs sind. Eine bunte Gesellschaft sei eine Bereicherung, sagte er und bei seinem Buch „Grundfarbe Deutsch“ gehe es um mehr als um die Sprache. „Ich bin nicht für die deutsche Vergangenheit verantwortlich, aber für die Gegenwart und Zukunft“. Und er forderte alle Anwesenden auf, für die demokratischen Grundwerte der Gesellschaft zu kämpfen.
Im Anschluss beantwortete Umes Arunagirinathan Fragen aus dem Publikum: Wann er seine Familie wiedersah, der aktuellen Situation in Sri Lanka, ob er je in seine Heimat zurückkam und wie er mit Angst umgehe. Er hinterließ eine berührte Zuhörerschaft, die ihm jedes Wort abnahm, denn der Autor vertrat eine klare politische Position und ließ gleichzeitig viel persönliche Nähe zu.
Der Förderverein der Stadtbücherei Korbach „Lesebändchen“, die Stadtbücherei und die Buchhandlung Thalia hatten in einer Kooperation mit dem Netzwerk für Toleranz Waldeck-Frankenberg zu der Veranstaltung im Korbacher Bürgerhaus eingeladen.
HANS PETER OSTERHOLD
Quelle: WLZ vom 1. November 2025






