Zur See AutorIn: Dörte HansenEinband: Gebundene Ausgabe Erscheinungsjahr: 1 Verlag: Penguin Seitenzahl: 256 Auflage: 2. Auflage Vorgestellt von Claudia Engelmann
Eine fiktive Insel in der Nordsee, die für jede existierende Insel in der Nordsee steht und deren Bewohner, deren Alltag, deren Befindlichkeiten. Daraus entspinnt Dörte Hansen in ihrem dritten Roman ein ganz eigenes Universum und erzählt eine Geschichte von Untergang und Neuanfang, von Verlust und Ängsten, von Veränderung und von Zeitenwende. |
Der Erinnerungsfälscher AutorIn: Abbas KhiderEinband: Gebundene Ausgabe Erscheinungsjahr: 1 Verlag: Carl Hanser Seitenzahl: 128 Auflage: 3. Auflage Vorgestellt von Marie-Luise Lindenlaub
Abbas Khider wurde in Bagdad 1973 geboren. Mit 19 Jahren wurde er wegen politischer Aktivitäten verhaftet. Nach seiner Entlassung floh er aus dem Irak, kam durch mehrere Länder und lebt seit 2000 in Deutschland. Er studierte Literatur und Philosophie in Potsdam und München. Said Al-Wahid lebt - wie sein Autor - in Berlin. Mit seiner alten Heimat hat er abgeschlossen. Nie mehr will er dorthin zurückkehren. Dann erhält er die Nachricht, dass seine Mutter im Sterben liegt. Er beschließt hinzufahren, um sie noch einmal zu sehen. In seiner Erinnerung taucht seine Flucht auf, das Asylverfahren, die Demütigungen und Verdächtigungen. Und daneben die vielen Erinnerungen an seine Kindheit. Er will seine Mutter noch einmal fragen, ob sie mit ihm gespielt hat als er Kind war. Das weiß er nicht mehr. Überhaupt hat er auch viel vergessen. Manchmal weiß er nicht, ob das, was er zu erinnern glaubt, wirklich zu ihm gehört oder ob ein ganz anderer Mensch ihm auf seinem Fluchtweg davon erzählt hat. Nach seiner Flucht vor vielen Jahren war er nur noch zweimal in der alten Heimat, und jedes Mal hat er sie ein bisschen mehr verloren. Immer, wenn er zu Besuch bei seiner Mutter war, musste er Angst vor der Willkür der Behörden haben und war froh, wenn er den Besuch heil überstanden hat. In Deutschland aber war das Leben auch nicht ohne Probleme. Aufgrund seines guten Aussehens war er unterschiedlichen Schikanen ausgesetzt mit denen er zu kämpfen hatte. Anhand der Erlebnisse von Said zeigt Abbas Khider sehr plastisch, wie verstörend die deutsche Gegenwart für einen Menschen mit dunkler Haut- und Augenfarbe und wie prägend seine zurückliegenden Erlebnisse sind. Eine traumatische Erfahrung vergeht nicht einfach, sie ist immer wieder da, wenn die Umstände sie aus den Tiefen des Gedächtnisses hervorholen. Auf seiner Reise nach Bagdad zu seiner sterbenden Mutter tauchen diese Bilder wieder auf, Momentaufnahmen, Bruchstücke, Miniaturen. Nicht alle lassen sich zusammenfügen, einzelne Teile sind durch ein Loch im Gedächtnis verloren gegangen. Abbas Khider gelingt es, in diesem schmalen Buch spürbar werden zu lassen, wie tief Krieg, Folter und Verlust einen Menschen prägen und wie absurd und lustig trotz allem das Leben sein kann. Es ist ein auf vielen Ebenen ergreifender und trotz oder wegen all dem Schmerz, der sich wie ein Grundton durch den Text zieht, ein zutiefst lebensbejahender und tröstlicher Roman. Ausleihe bei der StadtbüchereiKauf bei Thalia |
Lichte Tage AutorIn: Sarah WinmanEinband: Gebundene Ausgabe Erscheinungsjahr: 1 Verlag: Klett Cotta Seitenzahl: 128 Auflage: 1. Auflage Beteiligte (Übersetzer): Elina Baumbach Vorgestellt von Sabine Schmidt Michael und Ellis sind Freunde seit Michaels Mutter gestorben ist und er zu seiner Großmutter Mabel nach Oxford ziehen muss. Nein, nicht das Oxford der Universitäten und Intellektuellen, sondern das Oxford der Fabrikarbeiter und kleinen Leute. Am Tag von Michaels Ankunft in Oxford ist Ellis gerade in dem kleinen Laden, den Mable führt und von Stund an sind die beiden Jungen unzertrennlich. Auch Ellis Mutter Carol schließt Michael, diesen feinsinnigen und kunstinteressierten Jungen, sofort in ihr Herz und so wachsen die beiden ganz nah beieinander auf. Als auch Carol an einer Krebserkrankung stirbt und Ellis bei seinem groben und herrschsüchtigen Vater zurücklassen muss, der keinerlei Verständnis dafür zeigt, dass sein Sohn lieber zeichnen als in einer Fabrik arbeiten möchte, kommen sich Michael und Ellis noch näher und werden ein Paar. Doch es sind die 60-er und 70-er Jahre in England und ihre Liebe auszuleben trauen sich die beiden nur für einen kurzen Sommer in Frankreich. Danach zieht Ellis sich zurück und als er dann Annie heiratet, sind alle drei zwar beste Freunde und eine tiefe Zuneigung verbindet sie miteinander, doch Michael entschließt sich nach London zu gehen. In jeder Affäre, jedem one-night-stand sucht Michael Ellis. In Oxford währenddessen vermissen Annie und Ellis ihren Freund jeden Tag. Doch ein Wiedersehen der drei beschwört eine Katastrophe herauf, mit der Ellis umzugehen lernen muss. |
Wer hat Bambi getötet? AutorIn: Monika FagerholmEinband: Gebundene Ausgabe Erscheinungsjahr: 1 Verlag: Residenz Seitenzahl: 256 Beteiligte (Übersetzer): Antje Rávik Strubel Vorgestellt von Claudia Engelmann Ja, wer hat die Unschuld getötet? Und wie kam es eigentlich zu der Massenvergewaltigung von Sascha? Die Zeit danach und was das mit all den Menschen anrichtet, welche Beziehungen zerstört werden, welche Freundschaften zerbrechen und wie das komplette Leben der schönen, reichen und behüteten jungen Menschen in einem Vorort von Helsinki auseinanderfällt, das beschreibt Monika Fagerholm in sehr ungewöhnlicher und eindrücklicher Weise, sezierend, szenisch, tastend und doch genau auf den Punkt gebracht. Es ist ein geradezu ungewöhnliches Sprachexperiment, das die Ebenen vertauscht, die Erzähler durcheinander schüttelt, die Genres mischt und oft auf der Suche ist, um am Ende Sprachlosigkeit zurückzulassen, die die Brüche und Leerstellen besonders deutlich macht. Das Buch ist durchaus eine Herausforderung, für die man aufmerksam und konzentriert sein muss, aber die sich auf jeden Fall lohnt, weil man das so noch nie gelesen hat! Ich habe mich gewundert, dass Monika Fagerholm in Deutschland trotz ihres unverwechselbaren Werks so unbekannt ist und hoffe, dass sich das mit "Wer hat Bambi getötet?", kongenial von Antje Rávik Strubel übersetzt, nun ändert. Ausleihe bei der StadtbüchereiKauf bei Thalia |
Der Aufgang AutorIn: Stefan HertmansEinband: Gebundene Ausgabe Erscheinungsjahr: 1 Verlag: Diogenes Seitenzahl: 480 Auflage: 1. Auflage Beteiligte (Übersetzer): Ira Wilhelm Vorgestellt von Marie-Luise Lindenlaub Stefan Hertmans hat sich 1979 in seiner Heimatstadt Gent ein Haus gekauft ohne von seiner Geschichte zu wissen. Erst im Rückblick wird der Rundgang vom Keller bis zum Dach zu einer Zeitreise, die Zimmer für Zimmer neue Tragödien enthüllt. Hertmans begibt sich auf Spurensuche, zeichnet das Leben Willem Verhults nach und versucht, sich den Personen zu nähern. Willems erste Liebe und Frau war eine deutsche Jüdin, die sehr krank war und in jungen Jahren starb. Nach ihrem Tod heiratete er eine niederländische Protestantin, puritanisch und anti-nationalsozialistisch. Mit ihr kaufte er das große Haus in Gent.Während Willem unter der deutschen Besatzung in Gent Karriere macht, versucht seine Frau Meintje, ihre Kinder von der Naziideologie fernzuhalten. In dem Buch „Sohn eine Kollaborateurs“, das Adrian Verhulst, der Sohn Willems, veröffentlicht hat, fand Hertmans die Zusammenhänge von seinem gekauften Haus zu den früheren Besitzern und zu seinem Lehrer an der Uni. Hertmans erhielt noch viele Einblicke in die Geschichte der Familie, durch die er Kontakte zu den Töchtern aufnehmen konnte. Deutschland hat zweimal tief in die Geschichte Belgiens eingegriffen. Erst durch den völkerrechtswidrigen Angriff auf das neutrale Land im August 1914 und den folgenden vier Kriegsjahren, die Teile Belgiens in eine blutige Schlammwüste verwandelten; dann im Zweiten Weltkrieg mit einem noch brutaleren Besatzungsregime, dem ein Großteil der belgischen Juden zum Opfer fiel. Folter und Mord gehörten damals für die gesamte Zivilbevölkerung zum Alltag. Die flämische Geschichte ist nicht so häufig bearbeitet worden. Vor allen Dingen nicht auf so spannende und unterhaltsame Weise. Dabei bleibt sie stets realistisch und arbeitet sich an den Fakten ab. |
Das Liebespaar des Jahrhunderts AutorIn: Julia SchochEinband: Gebundene Ausgabe Erscheinungsjahr: 1 Verlag: dtv Seitenzahl: 192 Auflage: 6. Auflage Vorgestellt von Claudia Engelmann Wenn die Liebe in die Jahre kommt und sich allmählich verliert, davon erzählt Julia Schoch in einer bemerkenswert klaren und leisen, manchmal sezierenden Sprache, die das Alltägliche zu etwas Besonderem macht - ein Buch, das nachdenklich stimmt und das eigene Leben, die eigene Liebe hinterfragt. Eine nicht mehr ganz junge Frau, vielleicht die Autorin selbst, will eigentlich nach 30 gemeinsamen Jahren ihren Mann verlassen und erinnert sich an die vielen Jahre, an das erste Kennenlernen und die große Verliebtheit, an das Heranwachsen der beiden Kinder, die gemeinsamen Urlaube, an Sorgen und Nöte, an Lachen und Leben und daran, wie sich die Liebe gewandelt hat. Wie sich jeder der beiden verändert hat und ihre Lebenswelten oft auseinanderdriften. Es ist schon ein ausgefülltes und erfülltes Leben, eben ein ganz “normales” Leben, bei dem die Autorin irgendwann an den Punkt kommt zu fragen, ist das alles? Sind wir gescheitert? Ist unsere Beziehung zu Ende? Will ich so weiterleben? Und warum haben wir eigentlich nie geheiratet? So mäandert die Erzählerin durch die Jahre, beschreibt das eigene Älterwerden, das Heranwachsen der Kinder, Freunde, die kommen und gehen, Feste, die gefeiert werden, Beerdigungen, die Lücken reißen, Begegnungen mit anderen Menschen, die prägen und Ereignisse, die ihre Spuren hinterlassen. Dieses autofiktionale Buch ist wie sein Vorgänger “Das Vorkommnis” ein kleines literarisches Meisterwerk , ein virtuoses Kunststück und ein kluges, ehrliches Buch, das durch Reflexion und Selbstbeobachtung besticht. Ausleihe bei der StadtbüchereiKauf bei Thalia |
Oben Erde, unten HimmelEinband: Gebundene Ausgabe Erscheinungsjahr: 1 Verlag: Wagenbach, K Seitenzahl: 304 Vorgestellt von Sabine Schmidt Milena Michiko Flasar ist eine japanisch-österreichische Schriftstellerin und lebt in Wien. Für ihren außergewöhnlich beeindruckenden Debütroman „Ich nannte ihn Krawatte‘“ wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. In leisen Tönen erzählt sie Geschichten, die beim Lesen ihre ganze Wucht entfalten und tief berühren. Und genau dieses gelingt ihr auch in ihrem neuen Roman „Oben Erde, unten Himmel“: eine große Geschichte von Respekt, Ehrfurcht und Wertschätzung von Leben und Tod. Eigentlich ist Suzu ganz gerne alleine. Das war schon in der Schule so. Wozu sich viel Mühe für Kontakte geben, wenn es schon anstrengend genug ist, man selbst zu sein? Nachdem sie ihr Studium in einer japanischen Großstadt abgebrochen hat, arbeitet sie nun in einem Restaurant und ihr einziger kontinuierlicher Kontakt, der ihr etwas bedeutet, ist der zu ihrem Hamster Punsuke. Als sich im Restaurant Gäste über Suzu beschweren, entlässt ihr Chef sie mit den Worten, dass sie sich besser einen Job suchen möge, ohne Kontakt zu anderen Menschen. Als sie auf eine Anzeige für eine Putzstelle antwortet, ahnt sie nicht um welche spezielle Putzstelle es sich handelt. Ihr neuer Chef Herr Sakai übernimmt die Reinigung der Wohnungen von Kodokusha. Von Menschen, die einsam gestorben sind und oft erst gefunden werden, wenn es wärmer wird und Nachbarn die Polizei rufen. Herr Sakai erfüllt diese Aufgabe umsichtig und sanft, mit dem größten Respekt vor den verstorbenen Menschen und dem, was er von ihrem Leben in ihren Wohnungen vorfindet. Und genau diese Wertschätzung erwartet er auch von seinen Mitarbeitern. Dieser Job verlangt Suzu einiges ab: Überwindung, Geduld, Nachsicht. Doch nach für nach wächst sie an ihrer Aufgabe und reflektiert ihr eigenes Leben und das der Menschen um sie herum immer mehr und ist weniger einsam. Milena Michiko Flasar erzählt ganz langsam, ruhig und sehr einzigartig diese große Geschichte von Respekt, Ehrfurcht und Wertschätzung von Leben und Tod. Ein starker Roman, der zum Nachdenken anregt und tief berührt. Ich bin ein wenig traurig, Herrn Sakai niemals kennenzulernen. Kauf bei Thalia |
Sibir AutorIn: Sabrina JaneschEinband: Gebundene Ausgabe Erscheinungsjahr: 1 Verlag: Rowohlt Berlin Seitenzahl: 352 Auflage: 1. Auflage Vorgestellt von Marie-Luise Lindenlaub 1945 werden hunderttausende deutscher Zivilisten von der Sowjetarmee nach Sibirien verschleppt und dort in der fast menschenleeren Steppe ausgesetzt.. Unter ihnen ist auch der 10jährige Josef. Sie alle müssen sehen, wie sie überleben. Die Autorin – Tochter von Josef – erzählt die Geschichte ihres Vaters vom Leben in der Steppe, den eiskalten, schneereichen Wintern und den staubigen, heißen Sommern, von den unglaublich armen, entbehrungsreichen Zeiten. Doch Josef findet einen kasachischen Freund, der ihn vorurteilsfrei annimmt und mit ihm alles teilt – nicht nur das Wenige, das sie zum Essen haben. Mitte der 50er Jahre durfte die Familie in die Bundesrepublik ausreisen. Als Ich-Erzählerin schildert Leila, die Tochter Josefs, ihr Leben als Aussiedlerin, das sich am Rande der Wohlstandsgesellschaft abspielte und dem Leben des Vaters in der Steppe ähnelte: Auch hier wurden die Neuankömmlinge nicht herzlich aufgenommen. Wie der Vater in Kasachstan hat die Tochter auch hier in der Bundesrepublik einen besten Freund, Arnold. Mit ihm legt sie heimliche Verstecke an und sammelt alles, was ihr bewahrenswert erscheint. Später kommt noch Pascha dazu, ein russlanddeutscher Junge, dem Leilas Vater Deutschunterricht gibt. Die Autorin vermischt diese Ebenen, zieht Vergleiche. Sie mischt Realität und Fiktion, Historie und Familiengeschichte, politische Aufklärung und Mythen auf kunstvolle und selbstverständliche Art: herausgekommen ist eine dichte Generationenerzählung von Menschen, die für sich erkannten, dass sie nie dazu gehörten. Ausleihe bei der StadtbüchereiKauf bei Thalia |
Die Tage in der Buchhandlung Morisaki AutorIn: Satoshi YagisawaEinband: Gebundene Ausgabe Erscheinungsjahr: 1 Verlag: Insel Verlag Seitenzahl: 189 Auflage: 3. Auflage Beteiligte (Übersetzer): Übersetzt von Ute Enders Vorgestellt von Claudia Engelmann Dieses sehr schön gestaltete Buch erzählt die ungewöhnliche Geschichte eines Buchladens in Tokio, mitten im legendären Bücherviertel Jimbocho*, in dem Takako, eine junge von ihrem langjährigen Freund plötzlich verlassene Frau Unterschlupf bei ihrem Onkel, dem ortsansässigen Buchhändler findet. Dort arbeitet sie vormittags, ist aber ansonsten wenig an allem interessiert, und hegt und pflegt stattdessen ihren Kummer und ergeht sich in Schwermut. Doch irgendwann in einer schlaflosen Nacht entdeckt sie die Welt der Bücher und beginnt zu lesen. Langsam, aber sicher findet sie in ihr Leben zurück, lernt Onkel Saturos und damit auch ihre eigene Familiengeschichte kennen und merkt, was wirklich wichtig im Leben ist. Ein unterhaltsames und leichtes Buch über das schwere Thema des Verlassenwerdens und den Sinn des Lebens, ein leidenschaftliches Buch über eine fremde und am Ende doch so vertraute Welt, denn Lesen kann ein großes Glück sein! Satoshi Yagisawa, Jahrgang 1977, studierte in Tokio. Dies ist sein erster Roman, der mit dem Chiyoda-Literaturpreis ausgezeichnet wurde und bereits verfilmt wurde. *Das Stadtviertel Jimbocho ist vor allem durch die vielen Buchläden und Antiquariate bekannt und nennt sich daher “Book Town” Ausleihe bei der StadtbüchereiKauf bei Thalia |
Marschlande AutorIn: Jarka KubsovaEinband: Gebundene Ausgabe Erscheinungsjahr: 1 Verlag: S. Fischer Verlag Seitenzahl: 320 Auflage: 1. Auflage Vorgestellt von Sabine Schmidt Britta zieht mit ihrem Mann und den beiden Kindern von Hamburg in ein kleines Dorf in den Marschlanden vor den Toren der Stadt. Es war nicht ihr Wunsch, sondern der ihres Mannes und sie verlässt Hamburg nur widerwillig. Britta fühlt sich nicht wohl in dem kleinen Ort, die Kinder finden nur schwer Anschluss in der Schule, das Haus fühlt sich fremd und kalt an. Statt alle Umzugskartons auszupacken streift Britta lieber durch die Marschlande und entdeckt auf einer ihrer Streifzüge den Namen Abelke Bleke auf einem Strassenschild und beginnt über diese Frau zu recherchieren. Abelke, die im 16.Jahrhundert einen großen Hof in den Marschlanden von ihren Eltern geerbt hat, bewirtschaftet diesen erfolgreich als alleinstehende Frau. Abelke ist stark und mutig, sie steht für sich ein und läßt sich den Mund nicht verbieten und entscheidet selbst, wen sie liebt und vielleicht heiraten will. Das gefällt einigen im Dorf und der Umgebung nicht, besonders nicht den Männern, die im Ort das Sagen haben. Klatsch und Gerüchte vermischen sich mit Aberglauben, Neid und Angst in schwierigen Zeiten und so ist Abelkes Weg vorgezeichnet: sie wird als Hexe verbrannt. Je tiefer Britta in Abelkes Geschichte eintaucht, umso mehr wagt sie es wieder ihrer eigenen Wege zu gehen, nachdem sie ihre berufliche Karriere und letztlich ihr geliebtes Leben in der Stadt für die Familie aufgegeben hat. Jarka Kubsova, die 1977 in Tschechien geboren wurde und in Hamburg lebt arbeitet als Journalistin und hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Für „Marschlande“ hat sie sich intensiv mit der Geschichte Abelke Blekens auseinander gesetzt. Abelke wurde am 18.03.1583 in Hamburg als Hexe verbrannt. In ruhigem, sachlichem Erzählstil verbindet Jarka Kubsova gekonnt die Lebensgeschichte Brittas und Abelkes, Fiktion und Geschichte miteinander und schreibt ebenso eine Hommage an die Frauen welche, weil sie stark und mutig waren, sich gegen Unrecht und für sich selbst einsetzten ihr Leben verloren haben. Ein starker Roman, der zum Nachdenken und Recherchieren einlädt und lange nachklingt. Ausleihe bei der StadtbüchereiKauf bei Thalia |
„Darling, it's Dilius!“ AutorIn: Friedrich Christian DeliusEinband: gebunden Erscheinungsjahr: 0 Verlag: Rowohlt Berlin Seitenzahl: 320 Auflage: 1. Auflage Vorgestellt von Marie-Luise Lindenlaub Friedrich Christian Delius ist in diesem Jahr in seinem 80. Lebensjahr gestorben. Korbach war ein Stück Heimat für ihn. Sein Vater war Pfarrer an der Nikolaikirche, F.C. besuchte die letzten Jahre bis zum Abitur die Alte Landesschule. Er gehört zu den klügsten zeitgenössischen Schriftstellern, brachte sich politisch und gesellschaftspolitisch mit deutlichen Worten ein. 2011 erhielt er den bedeutendsten Literaturpreis im deutschen Sprachraum, den „Büchner-Preis“. Seine Perspektiven waren immer originell. So erzählt er in „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde“ (1994) aus der Perspektive eines 11jährigen Jungen, der er damals war. In „Bildnis der Mutter als junge Frau“ (2006) begleitet er seine Mutter durch Rom im Jahr 1943 als Ungeborener. Zu dieser Zeit war sein Vater Pfarrer dort. Die Auseinandersetzung mit der Kirche setzte er bis ins hohe Alter fort in seinen Erzählungen „Die linke Hand des Papstes“ (2013) und „Warum Luther die Reformation versemmelt hat“ (2017). Doch er war auch Kapitalismus-Kritiker. „Unsere Siemens-Welt“ (1972), „Adenauerplatz“ (1984), „Mogadischu Fensterplatz“ (1987), „Wenn die Chinesen Rügen kaufen, dann denkt an mich“ (2019) sind nur einige Beispiele. Seine Werke pendeln zwischen dokumentarischem Erzählen und dem Gang der deutschen Geschichte von der Studentenrevolte bis zur Gegenwart. Vor seinem Tod konnte er noch sein letztes Buch abschließen: „Darling, it's Dilius“. Erinnerungen mit großem A. (Platz 1 der Bestenliste März 2023). Darin nimmt er Wörter, die mit dem Buchstaben A anfangen und beschreibt, welche Erinnerung er damit verbindet. „Diese spezielle Autobiographie soll ein Fragment bleiben. Denn den ganzen maximalen Lebensstoff von A-Z auszubreiten – soviel Wahnsinn plus Größenwahnsinn kann ich nicht bieten....da scheint es mir klüger zu sagen: A reicht doch...“ BeispieleAbitur. 1963 an der Alten Landesschule in Korbach. Im altsprachlichen Zweig waren wir nur zu elft in der Klasse und blamierten uns trotzdem mit schlechten Noten. Aber darauf kam es nicht an, der schlechte „Schnitt“ zählte nicht, man konnte damit fast alles studieren. Griechisch mangelhaft, Latein ausreichend, Mathematik ausreichend, Physik ausreichend usw., Sozialkunde befriedigend, in Religion hatte ich ein Gut erreicht und in Deutsch Sehr Gut. Ich wollte nur das Zeugnis und ab nach Berlin..... Abs, Hermann Josef. Hermann Josef Abs, lange Chef der Deutschen Bank, 1966 Mitglied in 33 Aufsichtsräten großer Firmen, fand im Jahr 1972, nur noch mit 16 Aufsichtsratsposten ausgestattet,die Zeit, gegen mich zu klagen – und er hatte nicht Unrecht damit.... Absacker mit Bundespräsident. Einladungen zum sog. „Absacker“ (schon dies grauenvolle Wort) nach einem angenehmen Abend schlage ich meistens aus, aber nach einem lockeren, persönlichen Essen mit Johannes und Christina Rau 2004 in einer römischen Trattoria sagten wir nicht Nein.... Achtzig. Achtzig Jahre, dazu sollen andere was sagen. Adorf, Mario. Der große Schauspieler Mario Adorf. Habe die Ehre, mit und neben ihm den Schirmherrn zu spielen beim „Literarischen Frühling in der Heimat der Brüder Grimm“ in Frankenberg und Umgebung... Adventskranz. Die schwerkranke, vom Schlaganfall halbgelähmte und sprachgelähmte Mutter sagte überraschend deutlich „Auf Wiedersehen“ als ich kurz nach Weihnachten 1994 den Adventskranz in den Mülleimer warf. Sie sah keinen wieder. Und wie der Titel dieses Buches entstand, findet man übrigens auf Seite 24 Abish, Cecile und Walter. „Darling, it's Dilius!“, hörte ich Cecile Abish in den Raum rufen, laut und fröhlich. Ich wartete am Telefon in New York, um mit Walter Abish und seiner Frau einen Besuch zu verabreden, beide hatten mich in Berlin ermuntert, bei der nächsten Reise in die USA bei ihnen aufzutauchen... |
"Übertretung" AutorIn: Louise KennedyEinband: fest gebunden Erscheinungsjahr: 0 Verlag: Steidl Seitenzahl: 320 Beteiligte (Übersetzer): Claudia Glenewinkel, Hans-Christian Oeser Vorgestellt von Claudia Engelmann Aktueller denn je und nahezu zeitlos: Krieg zwischen Religionen und Glaubensbekenntnissen immer wieder überall auf der Welt. Wir sind in den 70er Jahren, mitten im Nordirland-Konflikt. Der Alltag wird bestimmt von Attentaten und Übergriffen, von Morden und Eskalationen. Es ist die Geschichte von Cushla Lavery, einer jungen Grundschullehrerin, katholisch in einer überwiegend von Protestanten bewohnten Gegend. An ihrer Seite ihre alkoholabhängige Mutter Gina und ihr Bruder Eamonn, der dort einen Pub betreibt, in dem sie gelegentlich aushilft, bis sie einen bzw. zwei falsche Schritte macht und in die Mühlen der Justiz gerät und ihre Existenz komplett auseinanderfällt. Zum einen kümmert sie sich rührend um Dave, einen ihrer Schüler, der von den anderen gemobbt wird und dessen Familie in prekären Verhältnissen lebt. Zum anderen hat sie eine leidenschaftliche Affäre mit einem verheirateten und deutlich älteren Mann, der Richter und per se in diesen Zeiten eine Zielscheibe ist. Beides geht nicht gut aus… Louise Kennedy wuchs selbst in der Nähe von Belfast auf und arbeitete über 30 Jahre als Köchin, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte und mit ihren short stories „The End of the World is a Cul de Sac“ in der englischsprachigen Welt Erfolge feierte und über die Grenzen hinaus bekannt wurde. „Übertretung“ ist ihr erster Roman und wurde nach Erscheinen enthusiastisch gefeiert, unter anderem vom Spectator: „Diese raffiniert gearbeitete Liebesgeschichte über ganz gewöhnliche Menschen, deren Leben von Gewalt bestimmt wird, ist ergreifend, ohne je sentimental zu sein. Sie zeigt, welch schreckliche Folgen es haben kann, in einer zerrissenen Gemeinschaft unsichtbare Grenzen zu übertreten, selbst wenn man es in bester Absicht tut.“ Für Anne Enright ist es das beste Buch des Jahres und dem kann mein Kollege Dermot Willis uneingeschränkt zustimmen, der als gebürtiger Nordire selbst in den 80er-Jahren in diesen bewegten Zeiten aufgewachsen ist und sagt, genauso ist es gewesen und deshalb: ein großartiges Buch! Kauf bei Thalia |



AutorIn: Dörte Hansen
AutorIn: Abbas Khider
AutorIn: Sarah Winman
AutorIn: Monika Fagerholm
AutorIn: Stefan Hertmans
AutorIn: Julia Schoch
AutorIn: Sabrina Janesch
AutorIn: Satoshi Yagisawa
AutorIn: Jarka Kubsova
AutorIn: Friedrich Christian Delius
AutorIn: Louise Kennedy