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  • September 2022: Jens Liljestrand, Der Anfang von morgen

    Jens Liljestrand „Der Anfang von morgen“

    Einband Gebundene Ausgabe
    Erscheinungsdatum 27.07.2022
    Verlag S. Fischer Verlag
    Seitenzahl 544
    Auflage 1. Auflage
    Originaltitel Även om allt tar slut
    Übersetzer Thorsten Alms, Karoline Hippe, Franziska Hüther, Stefanie Werner

     

    Ein Ökothriller? Ein Klimakrimi? Ein Katastrophenroman? Ein Weltuntergangsszenario?
    Von allem etwas und doch noch so viel mehr. Die Geschichte beginnt in Schweden. Es ist Sommer, es ist unendlich heiß und trocken, und die Wälder brennen. Das kommt einem erst mal sehr bekannt vor…
    Die Situation spitzt sich zu, es kommt zu Unruhen überall im Land, die Menschen sind auf der Flucht, alles gerät außer Kontrolle. Und sich zeigt, dass einfach nichts von dem, was wir erleben, in irgendeiner Form beeinflusst werden kann, weil es die Konsequenz von Entscheidungen ist, die wir vor Jahren getroffen oder eben nicht getroffen haben.
    In dieser Ausnahmesituation geraten Beziehungen an ihre Grenzen, ist jeder auf sich selbst zurückgeworfen, sind wir selbst auch außer Kontrolle. Erzählt wird dies von vier verschiedenen Personen, zwei Erwachsenen und zwei Jugendlichen, und genau das ist das Besondere daran, weil alle vier eine komplett andere Sicht auf das Geschehen haben.
    Während der PR-Berater und Familienvater Didrik und die Influencerin Melissa die typischen Vertreter ihrer Generation sind, die ihren Lebensstil und ihre Komfortzone
    nicht wirklich hinterfragen oder aufgeben wollen, ist Andre, ein 19-jähriger junger Mann auf der Suche nach sich selbst und seinem Platz in dieser chaotischen Welt. Die vierte Erzählperspektive ist die der 14-jährigen Vilja, die die ganze Tragödie zu erfassen scheint und zu handeln beginnt.

    Ein Buch, das sich einprägt, das nachhallt und hoffentlich auch aufrüttelt...denn sie ist da, die Klimakrise!

    Kauf bei Thalia

  • August 2022: Tamar Noort, Die Ewigkeit ist ein guter Ort.

    Tamar Noort: Die Ewigkeit ist ein guter Ort.

    Rowohlt 2022. 300 S. 22 €

    Vorgestellt von Marie-Luise Lindenlaub


    „Dein Wille geschehe...“ Bis dahin ist die junge Pfarrerin Elke im Vaterunser gekommen, dann hat sie einen black out. Und das am Sterbebett einer alten Frau. Irgendwie rettet sie sich über die Runden – aber die „Gott-Demenz“ bleibt.

    Dadurch verändert sich Elkes Alltag. Erwartungen, die beispielsweise ihr Freund oder ihr Vater an sie stellen, kann sie nicht mehr erfüllen. Mit diesem Erlebnis, dieser Gott-Verlorenheit, verschwinden auch die Orientierungspunkte, die ihr bisheriges Leben ausmachten.

    Elke wuchs in einem evangelischen Pfarrhaus auf. In einer heilen Familie. Der Bruder lebt nicht mehr, der Vater wartet darauf, dass Elke seine Pfarrstelle übernimmt. Mit ihrem Freund kann sie nicht über ihre Schwierigkeiten sprechen. So fällt sie immer mehr aus der Welt. Am untersten Punkt trifft sie auf einen Menschen, der ihr einen Job buchstäblich zwischen Himmel und Erde anbietet. Diese Erfahrung ist neu für sie, aber keine Lösung. Die muss sie selbst finden.

    Sie muss ihr Leben aufräumen, sich selbst wiederfinden. Der Weg führt sie zurück ins Elternhaus; das zur Zeit leer steht. Der Vater ist zur Reha, die Mutter macht Urlaub allein. Das leere Haus bringt Elke dazu, sich alles das anzusehen und zu be-greifen, was sie seit Jahren gemieden hat, Sie öffnet das Zimmer ihres Bruders, räumt den Schreibtisch ihres Vaters auf, lässt alte Kontakte wieder aufleben.

    Das ist ein Anfang, ein Weg,der zurückführt zu Menschen, die ihr nahe stehn, zu dem Ort, der für sie Schrecken und Unheil bedeutet.

    Die „Urlaubsvertretung“ für ihren Vater wird zur Probezeit auf der Pfarrstelle. Die Anerkennung der Gemeindemitglieder wirkt sich positiv aus.

    Doch das Problem mit ihrem Freund ist damit noch nicht aus der Welt...

    Die in diesen Roman eingestreuten Metaphern, Bibelzitate und Lieder verleihen der Geschichte einen nahezu gleichnishaften Charakter.

    Trotz allem schwingen Humor, Hoffnung und Zukunftsperspektive mit.

    Kauf bei Thalia

  • Juli 2022: Szczepan Twardoch, Demut

    Das Buch des Monats Juli 2022

    Autor: Szczepan Twardoch, erschienen bei Rowohlt Berlin

    Vorgestellt von Sabine Schmidt

    Alois Pokora ist Sohn eines einfachen Bergarbeiters und eines von dreizehn Kindern. Die Familie lebt in Schlesien am Rande der Armut und eigentlich könnte es Alois große Chance auf ein besseres Leben sein, als der Dorfpfarrer sein Talent erkennt und bereit ist dafür zu bezahlen, dass Alois auf das Gymnasium gehen kann. Doch dort bleibt der Arbeitersohn zwischen Adligen und Kindern aus dem reichen Bürgertum ein Außenseiter, wird schikaniert und gequält. Schnell erkennt er, das er nun nirgends mehr richtig hingehört, nicht in die Welt der Reichen, der oberen Klasse, aber auch nicht mehr in die Welt der Arbeiter und somit in die Welt seiner Familie. Nach dem Abitur und einem Philosophiestudium meldet er, der demütig erkennt, dass er mit seiner Herkunft, trotz aller Bemühungen, niemals gut genug sein wird für seine große Liebe der Bürgermeistertochter Agnes, sich freiwillig zum Einsatz im Ersten Weltkrieg. Das Grauen, welches er in den Schützengräben erlebt, ist unbeschreiblich und als er schwer verwundet, ohne Geld und Perspektive in Berlin landet, schwört sich Alois, nie wieder eine Waffe in die Hand zu nehmen. Doch es kommt anders, denn er gerät in die Wirren der Novemberrevolution und ihm wird klar, die alte Ordnung will er nicht mehr, der Kaiser muss weg. Alois Pokora ist gewiss kein Held, er wird getrieben von dem Wunsch dazuzugehören, gut genug für seine große Liebe Agnes zu sein, vielleicht einfach nur Jemand, ein Mensch zu sein.

    Mit Demut (übrigens das deutsche Wort für Pokora) schreibt der polnische Schriftsteller Szczepan Twardoch nichts weniger als einen beeindruckenden Antikriegsroman, der unter die Haut geht. Er erschafft ein eindrückliches Porträt der Zeit um den Ersten Weltkrieg und zeigt uns durch die Augen von Alois Pokoras die Monstrosität und völlige Sinnlosigkeit von Krieg und Gewalt, aber auch die Strukturen einer Gesellschaft, die genau dorthin führen.

    Szczepan Twardoch, 1972 in Zernica geboren, hat schon zahlrieche Romane veröffentlicht und zählt in Polen zu den bekanntesten zeitgenössischen Schriftstellern.

    Kauf bei Thalia

  • Juni 2022: Bonnie Garmus, Eine Frage der Chemie

    Buchvorstellung Juni 2022

    "Eine Frage der Chemie"

    von Bonnie Garmus, erschienen im Piper Verlag

    vorgestellt von Claudia Engelmann

    Elizabeth Zott ist nicht wie andere Frauen und passt so gar nicht in das Amerika der 50er-Jahre. Sie ist neugierig auf die Welt und will als Chemikerin forschen und Neues entdecken. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus, denn die Männerwelt will sich von ihr nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. So werden ihr jede Menge Steine in den Weg gelegt, sie wird gemobbt und gedemütigt, ihre Forschungsergebnisse werden gestohlen, am Ende wird sie sogar vergewaltigt. Aber sie gibt nicht auf und trotzt allen. Als sie die Liebe ihres Lebens kennenlernt, einen erfolgreichen und anerkannten Chemiker, der sie unterstützt und ihre Arbeit wertschätzt, scheint alles perfekt. Doch das Glück ist von kurzer Dauer... 

    Warum wir Elizabeth Zott Jahre später als erfolgreiche Fernsehköchin wiedersehen, warum das weibliche Publikum sie liebt, warum ihr Hund Halbsieben heißt und warum ihre sehr eigenwillige Tochter Madeleine ihr ein und alles ist, wird hier nicht verraten, denn das muss man unbedingt selbst lesen! Weil es allerbeste, kluge und witzige Unterhaltung ist. Ein großartiges Buch über eine ungewöhnliche, furchtlose und bemerkenswerte Frau, aber auch über die Frauen- und Männerwelt in der Mitte des letzten Jahrhunderts.  

    Geschrieben in einem ganz eigenen Tonfall, voller Witz und trockenem Humor, geistreich und warmherzig – mit einem Wort: ein Buch, dass man lieben wird und dessen unvergleichliche Protagonistin mich mehr als ein Buch lang begeistert hat. 

    Kauf bei Thalia

  • Mai 2022: Nino Haratischwili, Das mangelnde Licht

    Buchvorstellung Mai 2022

    vorgestellt von Marie-Luise Lindenlaub

    Nino Haratischwili: Das mangelnde Licht. Frankfurter Verlagsanstalt 2022. 832 S.

    Es sind vier Freundinnen, die in der georgischen Hauptstadt Tiflis gemeinsam aufwachsen. Sie halten zusammen, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten.
    Da ist Dina, die Unerschrockene, die Schlichterin in brenzligen Situationen. Sie wird eine eigenwillige Fotografin, die das Leben um sie herum dokumentiert, die später als Kriegsfotografin nach Abchasien geht.
    Ira, die Kluge, die Analytikerin, ist schon immer in ihre Freundin Nene verliebt, doch sie weiß auch, dass diese Liebe chancenlos ist. Zielstrebig schafft sie den Absprung, studiert in USA und wird Juristin.
    Nene geht in die innere Emigration, tut alles, was die Familie von ihr erwartet, heiratet den verhassten Kandidaten und lebt eine heimliche Liebe, die natürlich kein gutes Ende nehmen kann.
    Und dann ist da noch Keto, aus deren Perspektive der Roman erzählt wird. Sie lässt sich zur Restauratorin ausbilden, findet bei diesen Arbeiten Ruhe und Abstand zu den alltäglichen Problemen.
    Dies alles findet vor dem Hintergrund des Zerfalls der Sowjetunion und des georgisch-abchasischen Krieges statt, der Kälte, Elend, Hunger und Entbehrungen bringt.
    20 Jahre später findet in Brüssel eine Fotoausstellung der inzwischen toten Dina statt. Hier treffen die Freundinnen seit Langem erstmals wieder zusammen. Keto, die Chronistin, lässt sich von den Bildern zurückfallen in ihr Leben in Tiflis und in die Ereignisse dieser Zeit.
    Die ist geprägt von der Gewalt unterschiedlicher Gangs, die Glückspiel und Drogen unter sich aufteilen, dazu kommt die allgegenwärtige Korruption.
    Auch die Freundinnen geraten in das Räderwerk von kriminellen Machenschaften und sexueller Gewalt. Die Sitten und archaischen Strukturen sind so stark, dass es für die Mädchen unendlich schwer ist, sich daraus zu befreien.
    Dieser Roman geht unter die Haut, beschreibt mit Worten, die schwer auszuhalten sind. Besondere Aktualität gewinnt er im Hinblick auf die Ereignisse in der Ukraine.

    Ausleihe in der Stadtbücherei Korbach

    Kauf bei Thalia

  • April 2022: Laura Cwiertnia, Auf der Straße heißen wir anders

    Buchvorstellung April 2022

    vorgestellt von Sabine Schmidt

    Stuttgart : Klett-Cotta, [2022]. - 237 Seiten - 21 cm

    Laura Cwiertnia: Auf der Straße heißen wir anders. Klett-Cotta, [2022]. - 237 Seiten - 21 cm

    Laura Cwiertnia, geboren 1987, Tochter eines armenischen Vaters und einer deutschen Mutter, ist stellvertretende Ressortleiterin bei der ZEIT. „Auf der Straße heißen wir anders“ ist ihr Debütroman, welcher mich von Beginn an durch die Leichtigkeit begeistert hat, mit der sie erzählt, obgleich das Thema kein leichtes ist…

    Karla, die Protagonistin dieses Familienromans ist, wie die Autorin auch, Tochter eines armenischen Vaters und einer deutschen Mutter. Sie wächst in Bremen Nord auf, und in der Schule, die sie besucht, kann der Klassenlehrer kaum einen Namen der Schülerinnen und Schüler richtig aussprechen, so viele Nationalitäten treffen in einem Klassenzimmer aufeinander. Doch im Gegensatz zu Karla wissen nahezu alle Kinder in ihrer Klasse um ihre Wurzeln, fahren in den Sommerferien nach Istanbul oder Rom, in die Heimat der Eltern oder Großeltern.

    In Karlas Familie wird jedoch über ihre armenische Herkunft geschwiegen und so erfährt sie über den Genozid an den Armeniern eher nebenbei in der Schule.

    Als Karlas geliebte Großmutter Maryam stirbt, stellt diese die Familie posthum vor eine Herausforderung: Sie hinterlässt einen von Hand geschmiedeten, goldenen Armreif einer Frau in Jerewan, deren Namen in der Familie niemand je gehört hat. Überhaupt hat Maryam, die einst als armenische Gastarbeiterin nach Deutschland kam, nie von ihrer Vergangenheit erzählt. Auch Avi, Karlas Vater, schweigt über seine Kindheit in Istanbul und Jerusalem. Erst als Karla ihren Vater überreden kann, mit ihr nach Jerewan zu fliegen, um die Frau zu finden, die ihrer Großmutter so am Herzen lag, öffnet sich Avi und es beginnt eine Spurensuche, die nicht nur Vater und Tochter einander näherbringt, sondern beide eine Heimat entdecken lässt, die sie bislang nicht kannten.

    Laura Cwiertnia erzählt diesen Roman multiperspektivisch, so dass nicht nur Karlas, sondern Avis, Maryams und auch Armines - Karlas Urgroßmutter - Sichtweisen Stück für Stück kleine Einblicke in die Familiengeschichte geben.

    So deckt Laura Cwiertnia die Traumata einer Familie auf, über die niemals gesprochen wurde und die dennoch Generationen dieser und anderer Familien geprägt haben. Und sie zeigt auch voller Feingefühl und Humor, wie viel Heimat in uns wohnt, ohne es zu wissen…

    Ausleihe in der Stadtbücherei Korbach

    Kauf bei Thalia

  • März 2022: Uwe Wittstock, Februar 33. Der Winter der Literatur

    Buchvorstellung März 2022

    vorgestellt von Marie-Luise Lindenlaub

    Uwe Wittstock: Februar 33. Der Winter der Literatur. Beck 2021. 287 S.

    Nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler machten SA, SS und die von Göring gleichgeschaltete Polizei Jagd auf Sozialdemokraten, Kommunisten, Juden und missliebige Intellektuelle. Diese Truppen drangen in Wohnungen ein, zerschlugen das Mobiliar, beschlagnahmten oder verbrannten Manuskripte und Bücher.
    Wer in einem der improvisierten Foltergefängnissen landete, konnte von Glück sagen, wenn er mit dem Leben davon kam.

    Der Autor konzentriert sich auf die Schicksale von Künstlern und Literaten, deren Leidensweg jetzt schon begann. Es genügten wenige Wochen, um die Verfassung auszuhebeln, die Meinungs- und Versammlungsfreiheit abzuschaffen und durch Terrorregime zu ersetzen.

    Von Tag zu Tag verfolgt der Autor, wie das literarische Leben in Deutschland starb. Viele gingen ins Ausland, oft ohne Geld oder ein bestimmtes Ziel:

    Else Lasker-Schüler rettete sich nach Zürich. 1945 stirbt sie in Jerusalem.

    Ernst Toller emigrierte zunächst in die Schweiz, es folgten Stationen u.a. in England. 1937 kam er nach USA, 1939 starb er durch Suizid.

    Erich Maria Remarque ging erst in die Schweiz, dann nach USA, überlebt in Amerika, stirbt 1970 im Tessin, in Locarno.

    Gottfried Benn blieb in Deutschland, arrangierte sich mit den Nazis.

    Klaus Mann ging nach Amsterdam, dann USA. Hier starb er 1949 durch Suizid.

    Erika Mann und Eltern landen nach den USA in der Schweiz.

    Helene Weigel lebte 1941 in Moskau, ging dann mit Brecht nach Kalifornien. Ab 1948 lebte sie wieder in Berlin.

    Erich Mühsam wird am 10.7.1934 im KZ Oranienburg ermordet.

    Erich Kästner, Mascha Kaléko, Alfred Döblin, Ricarda Huch, Oskar Loerke, Graf Harry Kessler..... ,

    Uwe Wittstock gibt ihnen ein würdiges Gedenken.
    Es sollte Pflichtlektüre werden gegen das Vergessen.

    Ausleihe in der Stadtbücherei Korbach

    Kauf bei Thalia

  • Februar 2022: Gabriele von Arnim, Das Leben ist ein vorübergehender Zustand

    Buchvorstellung Februar 2022

    vorgestellt von Claudia Engelmann

    Gabriele von Arnim

    „Das Leben ist ein vorübergehender Zustand“

    Originalausgabe - Hamburg : Rowohlt, 2021. - 235 Seiten - 21 cm

    Gabriele von Arnim, Jahrgang 1946, ist eine erfolgreiche Journalistin, die unter anderem für DIE ZEIT schreibt, für den WDR und ARTE arbeitet, die Lesungen und Kultursendungen moderiert, deren Leben beruflich in gesicherten Bahnen läuft. Verheiratet ist sie mit dem ARD-Chefredakteur Martin Schulz, einem Lebemann und brillanten Intellektuellen.
    Doch ihre Ehe ist am Ende und sie beschließt, sich von ihm zu trennen. Genau an dem Tag, an dem sie ihren Entschluss in die Tat umsetzen will, bekommt er seinen ersten Schlaganfall und sie bleibt bei ihm. Es folgen ein zweiter Schlaganfall, eine schwere Lungenentzündung, und er wird zum Pflegefall.

    Obwohl er hellwach im Kopf ist, macht sein Körper nicht mehr mit. Er kann nicht gehen, nicht lesen, nicht schreiben, nicht klar sprechen. Sie wird ihn 10 Jahre lang pflegen bis zu seinem Tod, wird die Wohnung nach seinen Bedürfnissen umbauen und alles in Bewegung setzen, um sei Leiden erträglich zu machen.
    Das ist oft ein schmaler Grat zwischen Fürsorge und Übergriffigkeit, zwischen Zuwendung und Herrschsucht, zwischen Aufopferung und Demütigung. Doch sie schöpft immer wieder Kraft aus ihrer eigenen Arbeit, aus den Begegnungen mit Freunden und verlässt auch immer wieder sehr bewusst das Haus, geht auf Abstand.
    Für ihn hat sie 15 Vorleser gefunden, die auch sie entlasten und ihn ein Stück weit mit der Welt verbinden. Eine sehr glückliche Fügung für alle!

    Dieses tieftraurige, wahrhaftige und auch tröstliche Buch ist nach seinem Tod aus ihren eigenen Tagebucheinträgen und Erinnerungen entstanden, versehen mit vielen literarischen Zitaten und essayistischen Betrachtungen.

    Ein wunderbares Buch voller Gedanken an Momente von Glück und Liebe, von Vertrauen und Leichtigkeit, aber auch an all das, was schwer und beschwerlich war, an all die Zweifel und Rückschläge - ein ehrliches, reflektiertes Buch.

    Ausleihe in der Stadtbücherei Korbach

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